Der Salmonellen-Mythos

Direkt von Mogens Eliasens Schreibtisch, zur sofortigen Veröffentlichung

Dieser Artikel darf ohne weitere Genehmigung nachgedruckt werden, solange er in vollem Umfang wiedergegeben wird, einschließlich des Lebenslaufs am Ende.

25. August 2004

Der Salmonellen-Mythos

Salmonellen stellen, gemeinsam mit Tollwut, eine sehr einzigartige Krankheit dar: sie können sowohl Menschen als auch Hunde befallen! Es sind keine weiteren Krankheitserreger bekannt, die dazu in der Lage sind. Bedauerlicherweise jagt das vielen Menschen Angst davor ein, sich bei ihren Hunden mit Salmonellen anzustecken, und Tierärzte und Heimtierfutterhersteller sind gleichermaßen schnell dabei, diese Ängste zu schüren, ungeachtet dessen, dass das Risiko voll und ganz vernachlässigbar ist.

Wie gefährlich sind Salmonellen?

Als erstes gilt es, sich solide Kenntnisse darüber anzueignen, was Salmonellen eigentlich sind, und wie gefährlich sie für Menschen sind.

Salmonellen sind Bakterien, die in unserem Verdauungssystem einige unangenehme Reaktionen hervorrufen können, wie z.B. Erbrechen und Durchfall, und oftmals auch Fieber. Die akute Phase kann etwa eine Woche lang dauern. Über das US-Zentrum für Krankheitskontrolle (Center for Disease Control) und das US-Zentrum für Gesundheitsstatistiken lässt sich herausfinden, dass von 1.43 Millionen gemeldeten Fällen in den beiden Jahren 2001-2002 in den USA 585 Erkrankte starben, wobei es sich fast ausschließlich um Kleinkinder und Menschen über 91 handelte. Von etwa 556 dieser Erkrankungen ist bekannt, dass sie durch Nahrungsmittel verursacht wurden, nicht durch Haustiere. Damit bleiben höchstens 29 Fälle übrig, die möglicherweise durch Infektionen verursacht wurden, die von Hunden oder aus sämtlichen anderen Quellen herrührten, die nichts mit Nahrung zu tun haben… Unter Berücksichtigung der Bevölkerungsanzahl in den USA von 293,000,000, beläuft sich somit das Risiko für Amerikaner, sich mit Salmonellen zu infizieren, auf etwa 0.25% pro Jahr, und das Risiko, an einer Salmonelleninfektion zu sterben, auf 0.05‰ (Promille)! Betrachten Sie im Vergleich dazu das jährliche Risiko von 108‰ für einen Mann (33‰ für eine Frau) in den USA, ermordet zu werden, von etwa 100‰, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, und 11‰ für eine Person unter 91 Jahren, an Virusgrippe oder Lungenentzündung zu sterben.

Dazu kommt noch, dass Untersuchungen durchgeführt wurden, die belegen, dass bei Hunden Salmonellen weder im Speichel noch auf der Haut vorkommen, nicht einmal, nachdem sie rohe Nahrung verzehrt haben, die zu 100% mit Salmonellen verunreinigt war! Aber wenn sie mit Salmonellen verunreinigte Nahrung fressen, weist etwa ein Drittel von ihnen eine mäßige Salmonellenkonzentration im Kot auf – jedoch keine klinischen Anzeichen einer Erkrankung.
Das heißt, die einzige Möglichkeit, wie sich diese 29 Todesfälle durch Salmonellen in den Jahren 2001 und 2002 eventuell auf eine Ansteckung durch Hunde zurückführen ließen, bestünde darin, dass die entsprechenden Menschen Hundekot infizierter Hunde gegessen hätten… (Raten Sie doch einfach selbst, wie viele der 29 das tatsächlich getan haben!)

Die kommerzielle Panikmache

Nichtsdestotrotz werden Sie immer wieder, sowohl online als auch offline, Artikel und Veröffentlichungen über die Gefahren von Salmonellen finden, üblicherweise mit finanzieller Unterstützung durch Heimtierfutterhersteller oder tierärztliche Verbände.

Nun, unter Berücksichtigung obiger Tatsachen ergibt das vom Standpunkt gesundheitlicher Erwägungen aus gesehen keinen Sinn. Das Risiko ist lächerlich gering, wenn man es nicht sogar als völlig absurd bezeichnen muss, sich Sorgen darüber zu machen …

Aber es macht eine Menge Sinn, wenn man das unter kommerziellen Gesichtspunkten betrachtet…

Eine ernstzunehmende Vorstellung vom Ausmaß des „Salmonellenproblems“ erhalten Sie, wenn Sie bedenken, dass die kanadische Regierung vor ein paar Jahren bekannt gab, dass geschätzte 80-85% aller Hühnchen in nordamerikanischen Supermärkten (die zum Verkauf an die Verbraucher zugelassen waren!) tatsächlich mit Salmonellen verunreinigt waren. Als ich im Jahr 2000 mit der US-Behörde FDA (Food and Drug Administration, Aufsichtsbehörde für Lebens- und Arzneimittel) telefonierte, um mir dies bestätigen zu lassen, wurde es mir wirklich bestätigt… Also handelt es sich um ein „Allerweltsproblem“, nicht nur in Kanada!

Wie bereits erwähnt, wurde bei roh ernährten Hunden eine im Allgemeinen höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Salmonellen im Kot nachgewiesen als bei Hunden, denen keimfreies Trockenfutter voller giftiger Chemikalien verabreicht wird (die als „Konservierungsstoffe“ bezeichnet werden und Mikroorganismen aller Arten abtöten sollen). Keine Überraschung… Wäre das nicht der Fall, müsste mit den Grundlagen der Biologie und Chemie irgendetwas ganz gewaltig faul sein!!! (In Wirklichkeit könnte man es als Überraschung auffassen, dass nur ein Drittel der Hunde, denen mit Salmonellen verunreinigte Hühner verfüttert wurden, Salmonellen in ihrem Kot aufwiesen – das zeigt, wie wirkungsvoll der Hundemagen solche Erreger abtötet!)

Wenn daher Salmonellen ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen würden, wieso sollten wir uns dann Sorgen darüber machen, dass 30% aller Hundehäufchen befallen sind, wenn wir doch in Kauf nehmen, dass 80-85% aller genusstauglichen Hühnchen befallen sind? Von welcher Quelle geht die größere Gefahr für gesunde Menschen aus?

Das lässt nur einen Schluss zu: SALMONELLEN WERDEN VON UNSEREN REGIERUNGEN NICHT ALS ERNSTHAFTE GESUNDHEITSGEFÄHRDUNG ANGESEHEN! Und das sollten sie auch nicht.

Nun, wieso finanzieren Heimtierfutterhersteller (und von ihnen bezahlte Tierärzte) dann Studien, die darauf hinauslaufen, eine Verbindung zwischen roher Nahrung und Salmonellen im Kot aufzuzeigen?

Darauf gibt es natürlich nur eine Antwort: Geld.

Wie man mit Panikmache Gewinne erwirtschaften kann

Es kommt darauf an zu erkennen, wie die führenden Heimtierfutterhersteller damit Geld machen können.
Nämlich so: Viele von ihnen haben viele „wissenschaftliche Artikel“ im Internet veröffentlicht, die auf allerlei Gefahren hinweisen, die von der Rohfütterung ausgehen. Wieso? Weil sie sich ernsthafte Sorgen machen, einen ehemals offensichtlichen Absatzmarkt zu verlieren, den sie unter Kontrolle hatten! Ich stehe nicht länger alleine als Verfechter roher Nahrung für Hunde da – und die Befürworter roher Nahrung verbreiten die Informationen darüber, was sinnvoll ist. Wir stellen eine ernsthafte Gefahr für ihre langfristigen Gewinne dar, wenn nicht sogar für ihre Existenz! Wenn jeder seine Haustiere roh ernähren würde, gäbe es kein Purina oder Iams oder Alpo: Sie würden mit dem Bauch nach oben schwimmen! Die Aktionäre könnten sich ihre Verluste ausrechnen…

Die Heimtierfutterhersteller wissen schon, dass die Leute Angst vor Salmonellen haben, weil das die einzige Hundekrankheit ist (abgesehen von der äußerst seltenen Tollwut), die auch den Menschen befällt. Von Kindesbeinen an werden wir in Angst und Schrecken vor schlechter Hygiene und „gefährlichen Keimen“ versetzt. Je mehr Veröffentlichungen das als „etwas Schlimmes“ hinstellen (merke: ohne konkrete Angaben darüber zu machen, wie schlimm es genau ist, so dass wir uns ein eigenes Urteil bilden könnten!), desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich in unser Unterbewusstsein einprägt!

Hitlers Propagandaminister im Deutschland der Nazizeit (Joseph Göbbels) sagte einmal: „Wenn man eine Lüge nur oft genug wiederholt, werden die Leute sie für die Wahrheit halten“.

Na bitte! Erzählen Sie die Lüge oft genug herum – und die Leute werden glauben, dass Salmonellen gefährlich sind!
Jetzt können die Heimtierfutterhersteller dies aber nicht wirklich so tun, ohne etwas Vorsicht walten zu lassen. Sie sind gerissen genug, sich keinen Prozess wegen der Verbreitung offensichtlich falscher Informationen aufzuhalsen.
Und das brauchen sie auch nicht. Alles, was sie tun müssen, ist, sich wieder einmal eine Gelegenheit zu verschaffen, um zu veröffentlichen, dass es eine Verbindung zwischen „roher Nahrung“ und „Salmonellen“ gibt. Dann werden die Leute automatisch (wegen ihrer unbewussten Angst vor Bakterien, die Menschen krank machen können) Unbehagen gegenüber der rohen Nahrung empfinden – weil wir sie mit „Bakterien“ in Verbindung bringen, und „Bakterien“ tief in unseren Gehirnen als etwas „Schlechtes“ verwurzelt sind. Wir mögen uns dessen nicht bewusst sein – aber genau so funktioniert es! Die Medien machen sich das laufend zunutze! Auf diese Weise kann die Heimtierfutterindustrie das Unterbewusstsein des durchschnittlichen Verbrauchers ausnutzen und (das ist die Hoffnung) das Blatt wenden, so dass mehr Menschen zögern werden, auf Rohfütterung umzusteigen – und vielleicht werden einige Rohfütterer hinreichend verängstigt, um auf ihre bequeme „Fürsorge“ zurückzukommen!

Denken Sie bitte daran, Verbraucher treffen ihre Entscheidungen nicht mithilfe logischen Denkens. Sie treffen die Kaufentscheidungen mit ihren Gefühlen – und bedienen sich dann hinterher der Logik, um ihre Wahl zu rechtfertigen. Alle gut geschulten Vermarkter wissen das, die Belegschaft der führenden Heimtierfutterhersteller mit Sicherheit eingeschlossen.

Alles, was nötig ist, um den durchschnittlichen Verbraucher davon abzuhalten, der Werbung für rohe Nahrung zuzuhören, ist der Aufbau (oder die Unterstützung) solch einer emotionalen Blockade, die jemand errichtet hat, indem er immer und immer wieder bekräftigte, dass „roh“ mit „Salmonellen“ in Verbindung steht, und „Salmonellen“ sind in unseren Gehirnen in der Schublade für „schlechte Dinge“, die wir meiden sollten, abgelegt. Endergebnis: Der Verbraucher wird aufgrund dieser gefühlsmäßigen Verbindung, die durch gewiefte Vermarkter und Medienvertreter hergestellt wurde, einen Bogen um rohe Nahrung machen!

Diese Strategie ist sehr gut durchdacht. Unser Unterbewusstsein zu nutzen, um Kaufentscheidungen herbeizuführen, ist weitaus wirkungsvoller als der Einsatz von Logik. Diese Großunternehmen wollen nicht, dass wir logisch denken. Sie wollen nur, dass wir ihre Produkte kaufen, ganz gleich aus welchem Grund! Und sie wissen ganz genau, dass wir mit unseren Gefühlen einkaufen.

Ja, das ist Manipulation. Tatsächlich unterscheidet es sich nicht von Gehirnwäsche… Wenn wir nicht sehr, sehr vorsichtig sind, werden wir in ihre Fänge geraten. Sie wirkt auf der Ebene unseres Unterbewusstseins, daher brauchen wir uns ihrer nicht bewusst zu sein, damit sie sich zugunsten der großen Konzerne auswirkt. Tatsächlich funktioniert das Ganze für sie am besten, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind…

Aber gerade das macht es so verdammt wichtig, diesen Schwindel auffliegen zu lassen.

Mogens Eliasen
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Mogens Eliasen erlangte an der Århus Universität in Dänemark den Titel eines Magisters in Chemie (Mag. Scient., vergleichbar einem Ph.D. in den USA) und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Hunden, Hundebesitzern, Hundetrainern und ganzheitlich orientierten Tierärzten als Trainer, Redner und Entwickler von Erziehungssystemen. Er ist Herausgeber eines kostenlosen Rundschreibens „The Peeing Post“ („Der Pinkelpfosten“), das jede Menge Tipps und Ratschläge zu Hundeproblemen aller Arten enthält, insbesondere zu den Themen Training, Verhaltensprobleme, Ernährung und Gesundheitsfürsorge.
Wenn Sie sich für weitere Informationen über Mogens Eliasen interessieren, einschließlich Links zu anderen Artikeln und Büchern, die er veröffentlicht hat, senden Sie bitte eine kurze Email an contact@k9joy.com, oder besuchen Sie uns unter www.k9joy.com, um mehr zu erfahren.
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Ins Deutsche übersetzt von Patricia Feldner

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2 Kommentare zu “Der Salmonellen-Mythos

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